Auf ihrem Kopf thront eine in Handarbeit gefertigte Goldhaube, die perfekt mit dem Festkleid aus Seide, der passenden Handtasche, dem Spitzenschirm, den Stuzln genannten gehäkelten Halbhandschuhen, dem Biedermeiersträußchen und dem Wiener Schal harmoniert – als Ensemble eine der schönsten und teuersten Trachten überhaupt.
Sie trägt sie zu besonderen Anlässen wie religiösen Feiertagen, Festaufzügen oder Empfängen der Stadt Grafenau. Damit pflegen die Goldhaubenfrauen eine Tradition, die sich zwischen 1800 und 1820 von Linz ausgehend entlang der Donau, der Rott, des Inns, der Salzach und der Enns auch im unteren Bayerischen Wald ausbreitete. Getragen wurde sie zudem in deutschsprachigen Städten wie Krummau genauso wie in der Steiermark, in Kärnten und in Istrien. Eine Tradition, die seit Oktober 2015 als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe geschützt ist. Damals wie heute ist die Herstellung einer Goldhaube mit einem immensen Arbeitsaufwand verbunden: 400 bis 600 Stunden braucht es, bis aus einem 16 auf 116 Zentimeter großen Band aus vergoldeten Baumwollfäden eine fertige Goldhaube entsteht. Früher wurde das Handwerk des Goldhaubenstickens von Putz- und Haubenmacherinnen ausgeübt. Derartige alte, wertvolle Hauben und Tücher befinden sich auch heute noch bei einigen Grafenauern im Familienbesitz.
Die Hauben der heutigen Grafenauer Goldhaubenfrauen wurden von ihnen in Stickkursen mit großer Ausdauer und viel Fleiß selbst gefertigt. Mit Andrea Heyn aus Großarmschlag haben sie dabei eine erfahrene und geduldige Kursleiterin an ihrer Seite. Das vergoldete Band stammt aus der Weberei Moser in Wegscheid.
Für diese mühevolle Arbeit muss man neben dem großen Zeitaufwand mit Materialkosten zwischen 1200 und 2000 Euro rechnen.
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